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"Hillbilly Elegy"
06. April 2017

Liebe Kunden und Freunde

der Buchhandlung Hacker und Presting,

 

es ist natürlich immer einfacher, zu sagen: Es waren die anderen. Die anderen haben Trump gewählt. Den anderen ist eh nicht zu helfen. Sie sind eben anders. Wie und warum interessiert uns nicht, denn in unserer eigenen Blase sind wir mit uns selbst vollkommen zufrieden. Mit der Welt vielleicht nicht so ganz, aber die werden wir auch noch machen, wie sie uns gefällt.

"Hillbilly Elegy" ist ein Buch über die anderen. Und J.D. Vance ist einer von ihnen. Ein hillbilly. Auch wenn er mittlerweile in San Francisco lebt und CEO einer Investment-Firma im Silicon Valley ist. Denn eigentlich kommt Vances Familie aus Jackson, Kentucky. Und es ist immer noch ziemlich viel Jackson, Kentucky in ihm. "Hillbilly Elegy" ist kein Buch über Trump, nicht einmal über Trump-Wähler. Aber nach dem Lesen kann man sich wenigstens ein bißchen vorstellen, wie es ist "die anderen" zu sein. Wie es ist, in the holler, in einem der kleinen Täler in den Hügeln der Appalachen aufzuwachsen, wo "die Sonne um 10 Uhr aufgeht und um 3 Uhr wieder unter", wie der große Darrell Scott in "You'll Never Leave Harlan Alive" singt.*** Wie es ist, irgendwann vor der Armut, den Drogen und der Hoffnungslosigkeit zu fliehen, nach Norden, in den "Rostgürtel" der USA. Um zum Beispiel in einem Stahlwerk in Middletown, Ohio zu arbeiten, das in Zeiten der Globalisierung dann eben doch irgendwann an die Japaner verkauft wird. Und Jackson, Kentucky mitzunehmen. Immer und überallhin. You'll never leave Jackson alive.

 

​J.D. Vance erzählt von seiner verrückten, exzentrischen, selbstzerstörerischen, tapferen Familie, und vor allem von seiner fantastischen Großmutter "Mamaw", die den Enkel und die aufkeimenden Hoffnungen auf eine bessere Zukunft notfalls mit der Knarre in der Hand verteidigt. Und von etwas, das upward mobility heißt, sozialer Aufstieg, und für den Durchschnitts-Hillbilly immer noch unerreichbar. Nicht nur, weil die Gesellschaft es nicht zuläßt. Sondern weil es sich zwischen Oxycontin-Tabletten, Lebensmittelmarken, billigen Burgern, Depressionen, Arbeitsscheu und Selbstmitleid eigentlich auch ganz bequem einrichten läßt. Die Schuld an der eigenen Misere kann man ja immer noch ihnen zuschieben - den anderen ...

​"Hillbilly Elegy" bietet keine einfachen Lösungen, ist empörungsfrei und facettenreich. Es ist ein politisches Buch. Aber kein parteiisches. Und ein bißchen ist es so etwas wie eine morderne, US-amerikanische Version von Eribons "Rückkehr nach Reims". Denn auch hier trifft Soziologe auf echtes, warmes, schmerzhaftes - und in J.D.Vances Fall auch oft urkomisches - autobiographisches Erzählen.

​Wer dieses Buch liest, für den wird die Trennwand aus Selbstgefälligkeit, Verachtung, Fremdheit und Vorurteilen gegenüber den anderen wenigstens etwas dünner. Und er wird sich Hals über Kopf in "Mamaw" verlieben, deren Mut und Witz es sind, dies dieses Buch tragen - und zu einem wunderbaren Lesevergnügen machen.

 

 

 

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Hillbilly-Elegie

(J. D. Vance, "Hillbilly-Elegie. Die Geschichte meiner Familie und einer Gesellschaft in der Krise", Ullstein 22,- €)



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Die Stute

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(Mary Gaitskill, "Die Stute", Klett-Cotta - €)

 



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Licht und Glut

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