>> ARCHIV

"Literarisches Quartett"
23. Juni 2016

Liebe Kunden und Freunde

der Buchhandlung Hacker und Presting,

 

wollen Sie mal einen in Nostalgie zerfließenden Buchhändler sehen? Dann sagen Sie einfach "Das literarische Quartett". Sie müssen damit natürlich das alte meinen, mit Marcel-Reich-Ranicki, Sigrid Löffler und Hellmuth Karasek. Als die Startauflagen von Javier Marías, Louis Begley und Judith Hermann nach der Sendung noch ins Unermeßliche stiegen, als der Buchhändler nachts am Bildschirm klebte, um die süffigen Reich-Ranicki-Zitate am nächsten Morgen gleich den Kunden unterjubeln zu können. Those were the days...

Aber genug gejammert: Am 24. Juni 2016 ist wieder "Literarisches Quartett". Die Neuauflage. Das heißt: Ab 23 Uhr im ZDF - diesmal mit Thea Dorn als Gast - streiten sich Christine "Ich bin irgendwie nicht reingekommen" Westermann, Maxim "Ich habe es nur gelesen, weil ich mußte" Biller und Volker "Ich sage lieber gar nichts Aufregendes, könnte ja gegen mich verwendet werden" Weidermann halbherzig über deutsche Literatur. Frei nach dem Motto: Der Vorhang ist irgendwie so halb offen und Fragen stellen wir nur uns selbst.

 

Vielleicht mußte das "Literarische Quartett" des 21. Jahrhunderts und der Generation Facebook zwangsläufig eine dauereingeschnappte, bauchgefühllastige Ego-Veranstaltung werden, ein literaturkritisches Selfie.

Andererseits: Ob Charlottenburger Wohnzimmer-Lesezirkel oder ZDF-Literatursprechstunde - über Bücher reden kann letztlich gar nicht ganz schlecht sein. Und immerhin hat das neue Quartett mit unserem Letztjahresliebling "Auerhaus" auch schon einen großartigen Bestseller "gemacht".

 

Hier sind sie also, die Bücher der nächsten Sendung. Und wir prognostizieren auch gleich den Biller-Aufpuschel-Faktor dazu ...

 

>> 16. November 2017 "Kalendergeschichten"
>> 9. November 2017 "Die Zweisamkeit der Einzelgänger"
>> 2. November 2017 "Unzertrennlich"
>> 26. Oktober 2017 "Good things will happen soon"
>> 07. September 2017 "Parteien zur Bundestagswahl"
>> 03. August 2017 "Blaupause"
>> 27. Juli 2017 "Gibt's Probleme?"
>> 20. Juli 2017 "Familien-Verhältnisse"
>> 13. Juli 2017 "Mit leichtem Gepäck"
>> 06. Juli 2017 "G 20"
>> 29. Juni 2017 "Spieglein, Spieglein an der Wand"
>> 22. Juni 2017 "Bildungslücken"
>> 15. Juni 2017 "Comeback"
>> 08. Juni 2017 "Bienen"
>> 01. Juni 2017 "Anders"
>> 25. Mai 2017 "Vaterschafts-Test"
>> 11. Mai 2017 "Mono-Kultur"
>> 27. April 2017 "Im Strudel"
>> 20. April 2017 "Erster"
>> 13. April 2017 "Was war zuerst da ...?"
>> 06. April 2017 "Hillbilly Elegy"
>> 23. März 2017 "Messe Süd"
>> 16. März 2017 "Farbenblind"
>> 09. März 2017 "#pulseofeurope"
>> 23. Februar 2017 "Stadtgeschichten"
>> 16. Februar 2017 "Roter Teppich"
>> 09. Februar 2017 "Zehn Tage im Februar"
>> 18. Januar 2017 "The elephant in the room ..."
>> 05. Januar 2017 "Alles beim Alten"
>> 29. Dezember 2012 "Neu"
>> 22. Dezember 2016 "Berlin"
>> 08. Dezember 2016 "Zweitausend"
>> 01. Dezember 2016 "Einsingen"
>> 24. November 2016 "Familien-Bande"
>> 17. November 2016 "Erwartung"
>> 20. Oktober 2016 "A Bigger Book"
>> 13. Oktober 2016 "Zu Hause bleiben"
>> 06. Oktober 2016 "Entscheidungsroulette"
>> 29. September 2016 "Photomenal"
>> 01. September 2016 "Auf den ersten Blick"
>> 25. August 2016 "Entscheidungsroulette"
>> 18. August 2016 "Warten auf ..."
>> 11. August 2016 "Für Pfennigfuchser"
>> 14. Juli 2016 "Weltsichtig"
>> 30. Juni 2016 "Sommer"
>> 23. Juni 2016 "Literarisches Quartett"
>> 16. Juni 2016 "Typisch Mädchen"
>> 02. Juni 2016 "Träume"
>> 26. Mai 2016 "Heimat-Gefühle"
>> 19. Mai 2016 "Wo anders"
>> 12. Mai 2016 "Brückentage"
>> 5. Mai 2016 "Die Roman-Therapie"
>> 28. April 2016 "Allein zu Haus!"
>> 21. April 2016 "Was tun!"
>> 14. April 2016 "Carpe diem"
>> 07. April 2016 "Im Garten der Romantik"
>> 17. März 2016 "Vogelfrei"
>> 10. März 2016 "Draußen vor der Tür"
>> 3. März 2016 "Unorthodox"

Unterleuten

Juli Zehs episch-klug-ironisch-spannender Brandenburg- und Gesellschafts-Roman hat sich zu unserem Bestseller der Saison entpuppt, deshalb hoffen wir stark, daß Frau Westermann "irgendwie was damit anfangen" konnte. Frau Zeh war sogar schon einmal im "Quartett" zu Gast, wo sie Billers nöligen Ausführungen höflich und mit nur gaaaanz leicht angehobener Braue lauschte. Gegenseitiger Biller/Zeh-Sympathiefaktor: Respektvoll unterkühlt. Unsere Prognose: Kommt gut weg, weil es einfach gut ist. Und da Herr Biller ja mal Saša Stanišić verboten hat, über die Uckermark zu schreiben, weil er nicht da her kommt, kann das ja nur Daumen hoch für "Unterleuten" bedeuten: Frau Zeh ist einwandfrei deutsch und wohnt in Brandenburg. Biller-Reinheitsgebot erfüllt!

(Juli Zeh, "Unterleuten", Luchterhand 24,99 €)

 



share


>> Buch bestellen

Princeton 66

Dieses kleine, tomatenrote Büchlein über die spannendste Klassenfahrt der deutschen Literatur haben wir bereits vorgestellt, doch weil Jörg Magenaus höchst unterhaltsame literarisch-biographisch-historische Collage über die Reise der Gruppe 47 nach Princeton viel zu bescheiden daherkommt, machen wir es gern nochmal: So pointiert und klug ist der Literaturbetrieb selten in seine EInzelteile zerlegt worden, das muß den Herren Biller und Weidermann einfach ebenso gefallen wie uns! Nur Frau Westermann weiß wahrscheinlich nicht, was das alles mit ihr zu tun hat. Na, dann muß der "Christine Westermann gefällt's"-Aufkleber eben auf ein anderes Buch drauf.... (Jörg Magenau, "Princeton 66. Die abenteuerliche Reise der Gruppe 47", Klett-Cotta 19,95 €)

 



share


>> Buch bestellen

Was ich sonst noch verpasst habe

Achtung, Achtung! Hier herrscht großes Einigkeitspotential. Finster genug für Herrn Biller, weilblich genug für Frau Westermann, und dem empathischen Literatur-Schmuser Volker Weidermann geben diese Erzählungen viel Stoff zum Sich-Einfühlen. Aber ganz im Ernst: Die Geschichten dieser wiederentdeckten amerikanischen Autorin müssen den Vergleich mit Alice Munro überhaupt nicht scheuen. In Waschsalons, Cafés und Restaurants, in Krankenhäusern und Arztpraxen läßt Lucia Berlin ihre kleinen Wunder und tiefschwarzen Tragödien geschehen, zeichnet mit präzisen, manchmal fast grausam genauen Strichen abgründige (Frauen-)figuren und fängt die Melancholie ihrer Geschichten vom Absturz, Scheitern, Lebenshunger und -überdruß mit feinem Humor auf. Übersetzt hat Antje Rávic Strubel. Ob es da noch was zu meckern gibt?

(Lucia Berlin, "Was ich sonst noch verpasst habe. Stories", Arche 22,99€)

 



share


>> Buch bestellen

Das Zimmer

Kommen wir zum Außenseiter des Abends - obwohl Jonas Karlssons Roman in Schweden längst ein Bestseller ist. Eine schräge Mischung aus Kafka und "The Office", spielt "Das Zimmer" ausschließlich in den synthetikteppichausgekleideten Räumen eines Großraumbüros, in das der pedantische, besserwisserische Björn strafversetzt wird, weil er im seinem alten Job allen mit seiner Großspurigkeit auf die Nerven ging. Doch anstatt sich als braves Rädchen im Getriebe zu bewähren, entdeckt Björn ein geheimnisvolles Zimmer, das ungeahnte Fähigkeiten in ihm weckt ... Wir sind uns nicht ganz sicher, ob dieses einzigartige Werk ein Geniestreich oder absoluter Unsinn ist und wagen demenprechend keine Quartett-Prognose. Wer allerdings Lust auf Martin Suter auf Speed hat, sollte dieses soghafte Buch unbedingt lesen!

(Jonas Karlsson, "Das Zimmer", Luchterhand 17,99 €)

 



share


>> Buch bestellen