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"Gibt's Probleme?"
27. Juli 2017

Liebe Kunden und Freunde

der Buchhandlung Hacker und Presting,

 

nicht immer sind Probleme so einfach zu lösen wie in der 4b (s.o.).

Wir beobachten die Gegenwartsliteratur ja nun schon eine ganze Weile. Und dabei müssen wir immer wieder feststellen, daß ...

 

​a) ... es nur eine marginale Anzahl längerer Prosatexte gibt, die völlig frei von Problemen sind,

​b) ... noch kaum ein Autor problemstellungsmäßig das Rad völlig neu erfunden hat,

und deshalb

​c) ... die in diesen Texten behandelten Probleme einander manchmal ganz schön ähneln.

 

​Und hier sind sie, einige Grundprobleme in der Gegenwartsliteratur:

 

>> 16. November 2017 "Kalendergeschichten"
>> 9. November 2017 "Die Zweisamkeit der Einzelgänger"
>> 2. November 2017 "Unzertrennlich"
>> 26. Oktober 2017 "Good things will happen soon"
>> 07. September 2017 "Parteien zur Bundestagswahl"
>> 03. August 2017 "Blaupause"
>> 27. Juli 2017 "Gibt's Probleme?"
>> 20. Juli 2017 "Familien-Verhältnisse"
>> 13. Juli 2017 "Mit leichtem Gepäck"
>> 06. Juli 2017 "G 20"
>> 29. Juni 2017 "Spieglein, Spieglein an der Wand"
>> 22. Juni 2017 "Bildungslücken"
>> 15. Juni 2017 "Comeback"
>> 08. Juni 2017 "Bienen"
>> 01. Juni 2017 "Anders"
>> 25. Mai 2017 "Vaterschafts-Test"
>> 11. Mai 2017 "Mono-Kultur"
>> 27. April 2017 "Im Strudel"
>> 20. April 2017 "Erster"
>> 13. April 2017 "Was war zuerst da ...?"
>> 06. April 2017 "Hillbilly Elegy"
>> 23. März 2017 "Messe Süd"
>> 16. März 2017 "Farbenblind"
>> 09. März 2017 "#pulseofeurope"
>> 23. Februar 2017 "Stadtgeschichten"
>> 16. Februar 2017 "Roter Teppich"
>> 09. Februar 2017 "Zehn Tage im Februar"
>> 18. Januar 2017 "The elephant in the room ..."
>> 05. Januar 2017 "Alles beim Alten"
>> 29. Dezember 2012 "Neu"
>> 22. Dezember 2016 "Berlin"
>> 08. Dezember 2016 "Zweitausend"
>> 01. Dezember 2016 "Einsingen"
>> 24. November 2016 "Familien-Bande"
>> 17. November 2016 "Erwartung"
>> 20. Oktober 2016 "A Bigger Book"
>> 13. Oktober 2016 "Zu Hause bleiben"
>> 06. Oktober 2016 "Entscheidungsroulette"
>> 29. September 2016 "Photomenal"
>> 01. September 2016 "Auf den ersten Blick"
>> 25. August 2016 "Entscheidungsroulette"
>> 18. August 2016 "Warten auf ..."
>> 11. August 2016 "Für Pfennigfuchser"
>> 14. Juli 2016 "Weltsichtig"
>> 30. Juni 2016 "Sommer"
>> 23. Juni 2016 "Literarisches Quartett"
>> 16. Juni 2016 "Typisch Mädchen"
>> 02. Juni 2016 "Träume"
>> 26. Mai 2016 "Heimat-Gefühle"
>> 19. Mai 2016 "Wo anders"
>> 12. Mai 2016 "Brückentage"
>> 5. Mai 2016 "Die Roman-Therapie"
>> 28. April 2016 "Allein zu Haus!"
>> 21. April 2016 "Was tun!"
>> 14. April 2016 "Carpe diem"
>> 07. April 2016 "Im Garten der Romantik"
>> 17. März 2016 "Vogelfrei"
>> 10. März 2016 "Draußen vor der Tür"
>> 3. März 2016 "Unorthodox"

Löwen wecken

1) Das "In-China-fällt-ein-Sack-Reis-um"-Problem:

 

Sie kennen ja die These, daß ein im Fernen Osten umfallender Reissack die Finanzkrise von 1929 ausgelöst haben soll. Ähnlich gelagert ist die Geschichte vom Flügelschlag eines Schmetterlings, der am anderen Ende der Welt einen Orkan auslöst. Voilà: Die Chaostheorie, im Fachjargon auch „Dynamik nicht linearer Systeme“ genannt! Viele Autoren bedienen sich nur allzu gern aus dieser unerschöpflichen Fundgrube. Und lassen das eine oder andere haarscharf austarierte Leben unter dem Gewicht eines Schmetterlingsflügels zusammenbrechen ...

 

​Der Klassiker: Ian McEwan, "Saturday". Ein renommierter Neurochirurg führt das perfekte Leben. Bis ein harmloser Autounfall alles ins Wanken bringt und Gewalt und Unberechenbarkeit in eine bislang moralisch makellose bürgerliche Existenz eindringen.

 

​Der Neuzugang: Ayelet Gundar-Goshen, "Löwen wecken". Ein ethisch-moralisch einwandfrei lebender Neurochirurg? Ein alles durcheinanderbringender Autounfall? Kann das Zufall sein? Oder eben - Chaostheorie? Nur, daß das spannende Wüsten-Kammerspiel der israelischen Autorin Gundar-Goshen in den kargen Weiten der Negev spielt und nicht mitten in London ...

 



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Ein wenig Leben

2) Das "Dein-Problem-ist-mein-Problem"-Problem:

 

​Manchmal reicht eine labile Hauptperson, um ein ganzes Bataillon an eigentlich recht lebensfähigen, fröhlichen Romanfiguren runterzuziehen. Holmes und Watson machten es vor ...

 

Der Klassiker: Bov Bjerg, "Auerhaus". Frieder ist lebensmüde, und alles kreist um ihn. Die wunderbare Freundschaftsgeschichte über eine Clique, die ihren fragilen Kumpel mit zarter Gewalt am Leben zu halten versucht, ist ein Paradebeispiel für das bewährte Rezept: Viel Freund, viel Romanstoff.

 

Der Neuzugang: Hanya Yanagihara, "Ein wenig Leben". Auch hier: Ein traumatisierter Kommilitone, der seinen ganzen College-Freundeskreis mit in seinen mentalen Mahlstrom hineinreißt. Das Ergebnis: Ein großer, wahrhaft mitreißender Roman!

 

 



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Sieben Nächte

3) Das "Affluenza-Problem":

 

​Falls Sie nicht in den USA leben, ist es keine Schande, das Wort Affluenza nicht zu kennen. Es steht für Wohlstand, Überfluß - und in den USA mittlerweile gern mal für Kids, die alles haben und nur aus Daffke und Langeweile die absurdesten Verbrechen begehen. Aber es gibt auch Affluenza-Literatur. Thema: Eigentlich habe ich kein Problem. Deshalb mache ich mir eins. Und das ziemlich meisterhaft.

 

​Der Klassiker: Thomas Glavinic, "Das größte Wunder". Jonas hat Kohle. So richtig viel Schotter. Genug jedenfalls, um sich einen rundumbetreuten Mount-Everest-Aufstieg leisten zu können. Aber was fehlt? Natürlich! Money can't buy me love ...

 

​Der Neuzugang: Simon Strauss, "Sieben Nächte". Ein junger Mann, ein Problem. Nämlich das, daß er keins hat. Er muß, soll einfach nur erwachsen werden. Und endlich mal ein paar Entscheidungen treffen. Stattdessen nimmt er sich vor, in sieben Nächten je eine der Todsünden zu begehen. Die literarische Reifeprüfung 2017 ...

 

 



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